Titelbild
Bürgerinitiative Oderberger Straße

NABU Berlin 11.10.2007

Die Lokale Agenda 21 konkret nehmen!

Beispiel Oderberger Straße: AnwohnerInnen engagieren sich bei der Gestaltung ihres Wohnumfelds

Von Karla Paliege

Die Oderberger Straße mit ihren alten Bäumen, malerisch bewachsenen Freiflächen und Baumscheiben, Hochbeeten und pittoresk ausladenden Pflanzkübeln vor den zahlreichen Kneipen, Cafés, Trödel- und Klamottenläden verströmt den typischen Flair des Prenzlauer Bergs, von dem die Reiseführer schwärmen. – Angesichts der zur Verfügung stehenden Summe von 2,5 Mill. Euro aus dem Bundesprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz schien die Straße Behördenaugen jedoch plötzlich in gefährlich illegalem Zustand, und ausgerechnet ein grüner Stadtrat für Öffentliche Ordnung wollte sie einer denkmalgerechten Grundsanierung unterwerfen, der angeblich 90 Prozent des sog. Wildwuchses und auch die meisten Bäume zum Opfer gebracht werden sollten.

Beispiele wie Metzerstraße oder Weberwiese in Friedrichshain mit ihrem kümmerlichen, auf Stock gesetzten Reststrauchbestand zeigen, mit welch phantasielos-sterilen, aber pflegeleichten Konzepten hier immer noch vorgegangen wird. – Die AnwohnerInnen des Oderberger Kiezes, schon zu DDR-Zeiten mit behördlichen Ansinnen von derlei Radikalkuren konfrontiert, setzten sich indes auch diesmal unverzüglich zur Wehr, formierten sich in der Bürgerinitiative Oderberger Straße (BIOS) und forderten (zunächst) in umgekehrter Radikalität, dass alles so bleibe, wie es ist.

In Anbetracht des Zustands von Fahrbahn und Gehwegen kann das freilich niemand ernsthaft wollen, und als Ergebnis der Sitzung des Verkehrsausschusses am vergangenen Dienstag, in der schließlich ein Antrag der Mehrheitsfraktion von SPD und Linkspartei angenommen wurde, scheint sich ein Kompromiss abzuzeichnen, dem sich die BVV nicht verschließen wird: Der erste Planungsentwurf ist erst mal vom Tisch, der grüne Charakter der Oderberger Straße als Ausdruck eines ernst zu nehmenden Gestaltungswillens der Bürgerinnen und Bürger soll erhalten und in enger Zusammenarbeit von BIOS und Betroffenenvertretung Teutoburger Platz einerseits, dem Pankower Bezirksamt andererseits ein neues Planwerk erarbeitet werden, das nun im Gegenteil den Grünanteil der Straße durch Pflanzung neuer Straßenbäume noch erhöht. "Der Geist der Oderberger ist uns wichtig", versicherte Stadtrat Kirchner gegenüber der TAZ. "Es ist für mich von großem Interesse zu wissen, was die Bürger wollen". Vor 2009 wird die Umgestaltung nicht beginnen, aber der NABU rät den BügerInnen, von Anbeginn auf einen verbindlichen Zeitrahmen zu dringen.

Ein Biologe will nun eine Bestandsaufnahme von Flora und Fauna durchführen, wobei sicherlich eingeräumt werden muss, dass aus naturschutzfachlicher Sicht sog. Straßenbegleitgrün nicht übermäßig wertvoll ist, d. h. kein Habitat gefährdeter Arten; doch es ist aus einer Vielzahl ökologischer Gründe als gewachsenes Biotop und Lebensraum einer gerade im urbanen Raum unvermuteten natürlichen Mannigfaltigkeit im Zeitalter des Artensterbens nicht nur im Interesse der Lebensqualität der AnwohnerInnen, als Feinstaubfilter oder Gelegenheit zum Naturerlebnis, sondern sehr wohl auch für sich selbst schützenswert und seine Erhaltung notwendiger Einspruch gegen die immer fortschreitende Versiegelung. – Im Hinblick auf die finanzielle und personelle Ausstattung der Grünflächenämter ist den BürgerInnen ferner zu raten, selber einen Pflegeplan zu entwickeln und mit dem Bezirksamt verbindliche Pfegeverträge abzuschließen, Baumpatenschaften u. ä. zu übernehmen.

Paradox in der ganzen Angelegenheit wirkt natürlich das Festhalten eines Großteils der AnwohnerInnen an der Beibhaltung der Parkplätze. 260 Stellplätze waren geplant. Demgegenüber wäre zusammen mit der Forderung nach kinderfreundlicher und barrierefreier Gestaltung auch die einer autofreien Straße nur konsequent! – Beim Auftreten von Problemen können die BürgerInnen jedenfalls den NABU jederzeit um Hilfe und Unterstützung angehen!

Online-Version

Zurück zur Übersicht

Oder:

» Online-Version
» Zurück zur Übersicht